Die Schlossherren

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Die Schlossherren

Das Wappen der Freiherren und Grafen von Welsperg
Das Wappen der Freiherren und Grafen von Welsperg

Von der Abtei Reichenau erbaut, war Burg Langenstein im 12. und 13. Jahrhundert Sitz eines reichenauischen Dienstmannengeschlechts, das sich nach ihr „von Langenstein“ nannte. Diesen ritterlichen Ministerialen oblag neben der Ausführung verschiedener Verwaltungsaufgaben und der Wahrnehmung richterlicher Funktionen die militärische Sicherung der ihnen anvertrauten klösterlichen Besitzungen.

Die mit dem Langensteiner Burglehen nebst den dazugehörigen Ländereinen und Leuten, später mit zahlreichen weiteren Ämtern, festen Plätzen und Gütern ausgestatteten, seit 1174 urkundlich nachweisbaren Herren von Langenstein erlangten wie zahlreiche ihrer Standesgenossen bald eine Position, die sie von ihrem Lehnsherrn, dem Reichenauer Abt, weitgehend unabhängig machten. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts ist das Geschlecht der Ritter von Langenstein ausgestorben. In Langenstein selbst finden wir bereits 1292 die Grafen von Nellenburg im Besitz zweier Langensteiner Lehen des Klosters Reichenau, des oberen Burglehens mit der Ortschaft Eigeltingen und der niederen Feste mit dem Dorf Orsingen. Von 1292 bis zum Jahr 1568 lösten sich in rascher Folge über ein Dutzend Adelsfamilien im Besitz von Schloss und Herrschaft Langenstein ab, wobei die beiden Lehen häufig gesondert vergeben wurden. Nach 1400 wurde jedoch Eigeltingen aus dem Reichenauer Lehnsverband herausgelöst und bildete bis 1595 eine eigene Ortsherrschaft.

 

Die Edlen Herren von Raitenau und die Grafen von Welsperg

Helena von Raitenau
Helena von Raitenau, geb. Gräfin von Hohenems (gestorben 1586): Detail ihres von Hans Morinck geschaffenen Grabmals in der Pfarrkirche Orsingen.
Hans Werner (III.) von Raitenau (ca.1525-1593)
Hans Werner (III.) von Raitenau (ca.1525-1593)

Am 29. September 1568 verkaufte Hans Wilhelm von Knöringen seinem Schwager Hans Werner von Raitenau, kaiserlichem Rat und Oberst eines Regiments zu Fuß, das Schloss Langenstein samt dem Dorfe Orsingen. Mit dem Aufzug der Raitenauer in Langenstein begann für diesen Herrensitz eine der glanzvollsten Epochen. Durch die Heirat mit der Gräfin Helena von Hohenems war Hans Werner mit einer Reihe hochangesehener Geschlechter verschwägert. Zu dieser illustren Verwandtschaft gehört Papst Pius IV. (1559-1565), ein Onkel Helenas, ferner der hl. Karl Borromäus, ein Vetter Helenas. Hans Werners Schwager, Kardinal Markus Sittikus von Altems, war Bischof von Konstanz und sein Sohn Wolf Dietrich von Raitenau Saß von 1587 bis 1612 auf dem Salzburger Bischoffstuhl.

Helena von Raitenau entfaltete in Langenstein als Stellvertreterin ihres bis 1584 als Oberst in kaiserlichen Diensten stehenden Gatten eine rege Bautätigkeit, die 1600-1605 von ihrem zweitältesten Sohn Jakob Hannibal, der große Summe nicht nur für bauliche Zwecke, sondern auch für seine aufwendige Lebenshaltung investierte, fortgesetzt wurde. Helenas erstgeborener Sohn, Erzbischof Wolf Dietrich von Salzburg übernahm, nachdem sein Vater 1593 zu Szombor in Kroatien gestorben war, das Langensteiner Erbe, vergrößerte die Herrschaft durch Zukauf der Schlösser und Dörfer Volkertshausen und Eigeltingen und schenkte das Ganze bereits 1596 seinem Bruder Jakob Hannibal. Zum Andenken an seinen Mutter ließ er ein Jahr zuvor vom Bildhauer Hans Morinck in der Kirche zu Orsingen ein prachtvolles steinernes Grabmal in Form eines Sarkophags anfertigen, ein Meisterwerk mit einer fast lebensgroßen figürlichen Darstellung der Verstorbenen, das nach dem Umbau der Orsinger Pfarrkirche in den Jahren 1908-1912 in einer Seitenkapelle aufgestellt wurde.

Freiherr (Graf) Guidobald von Welsperg (1655-1731)
Freiherr (Graf) Guidobald von Welsperg (1655-1731)

1671 starben die von Kaiser Ferdinand II. im Jahr 1632 in den Grafenstand erhobenen Raitenauer aus. Langenstein fiel im Erbgang an den Freiherrn und späteren Grafen Guidobald von Welsperg, Spross einer Adelsfamilie aus Südtirol, wo noch heute ein ansehnlicher, von Gästen gern aufgesuchter Ort den italienischen Namen „Monguelfo“ trägt und die nahegelegene Stammburg die Erinnerung an das 1907 erloschene Geschlecht wach hält. In einer Villa am Rande des Dorfes Welsberg (Monguelfo) hütet der jetzige Besitzer des welspergischen Erbes ein reichhaltiges Archiv mit Pergamenten und Papieren, die viel Interessantes über die Geschichte Langensteins und der Hegaulandschaft enthalten. Als besondere Leistung des Grafen Guidobald von Welsperg dürfen wir die Industriegründungen in Volkertshausen, insbesondere die Errichtung eines Eisenhammerwerkes und einer Papierfabrik, ansehen. Beide Werke waren bis gegen die Mitte das 19. Jahrhunderts in Betrieb. Die Papiermühle brannte 1847 zum zweiten Mal ab. Und der Eisenhammer wurde mit den meisten dazugehörigen Nebengebäuden in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts abgebrochen und durch die Fabrikanlage der Baumwollspinnerei und – Weberei Arlen ersetzt, die 1858 ihre Produktion aufnahm.

Die Nachfolger des Grafen Guidobald hielten sich nur selten in Langenstein auf. Wichtige Aufgaben als hohe österreichische Regierungsbeamte oder kaiserliche Geschäftsträger im Ausland zwangen sie zu fast ständiger Abwesenheit von ihren Hegauer Gütern. Überdies waren sie mit ihrer tirolischen Heimat und ihrem dortigen Besitz zu stark verwurzelt, als dass sie sich auf die Dauer am Bodensee einleben konnten. Meist ließen sie die Herrschaft Langenstein durch ihre Obervögte, mit denen sie in ständiger brieflicher Verbindung standen, verwalten.

 

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