Fasnacht als immaterielles Kulturerbe

Langensteiner Cumpaney

Im Mittelalter wurden Festgesellschaften als Kumpaneien bezeichnet. Die »Langensteiner Cumpaney« bzw. das Fasnachtsmuseum Schloss Langenstein e.V. verleiht, mit einem Fuchsschwanz gezierte, Langensteiner Narrenkappen an Männer und Frauen, die sich um das Museum verdient machen.

Außerdem stiftet das Museum seit 1976 den sogenannten „Alefanz-Orden”, mit dem alljährlich durch das Präsidium, auf Vorschlag der „Loschore” (einer Such- und Auswahlkommission), eine Persönlichkeit ausgezeichnet wird, die zuvor durch Individualismus, Eigensinn und „gegen den Strom schwimmen“ aufgefallen ist.

Die Kappen- und Ordensträger bilden unkonventionell und statutenlos die »Langensteiner Cumpaney«, die sich jährlich Mitte Januar im Schloss Langenstein zur fröhlichen Kappen- und Ordensverleihung, einer närrisch-geselligen Veranstaltung mit viel Prominenz und überregionaler Ausstrahlung, trifft. Besonders der Umstand, dass im Saal der Alefanz-Ordens-Verleihung nur 200 Sitzplätze vorhanden sind, aber eine große Anzahl an Menschen an der Veranstaltung partizipieren möchte, macht die Teilnahme an dieser Veranstaltung für viele so begehrenswert.

 

 

Was ist ein Alefanz?

Von Walter Fröhlich (WAFRÖ)

 

Ein schönes Wort der alemannischen Sprache. Es bedeutet soviel wie eigensinnig, ein klein wenig widerborstig, ein bisschen dagegen seiend, aber im Grunde nicht bösartig. Wenn das Rindvieh nicht in den Stall will, wenn die Kuh „ schwanzet“ , wenn sie genau weiß, dass es ihr im Stall am wohlsten ergeht und sie dort nur fressen und saufen muss, sie aber so tut, als wolle sie nicht hinein, dann ist sie alefänzig. Wenn der Bursch ganz genau weiß, dass sein Schätzle geküsst sein möchte, sie aber so tut, als fände sie keinen Gefallen an derlei Beschäftigung, so ist das Mädele alefänzig. Wenn der Vereinsvorstand – oder der Narrenrat – wieder neu gewählt wird, sich keine Dümmeren finden, er aber so tut,  als sei er amtsmüde – und sie sind alle fast jedes Jahr erneut amtsmüde – er also so macht oder  „markiert“, als wolle er nicht mehr, im Grunde seines Herzens aber saumäßig böse wäre, wenn er nicht mehr gewählt werden würde, und man ihn von allen Seiten her nötigt: „Mensch Karle, mach doch nomol ä Jährle“, so tut er alefänzig. Alefänzig ist auch der Vater, der selbst noch mit fünfundsiebzig Jahren meint, er könne dem Sohn sein Geschäft jetzt noch nicht anvertrauen. Alefänzig sind Fasnachtmacher, die nicht begreifen, dass ihre Zeit allmählich abgelaufen ist, weil sie sich immer noch für irrsinnig witzig und unentbehrlich halten, obgleich genügend jüngere Talente nachdrängen. Alefänzig sind uralte Vereine, die jüngere Vereine nicht anerkennen wollen, weil sie auf eine Tradition pochen, für die sie nichts können, weil sie nämlich von ihren Urgroßvätern ausgeht, und alefänzig sind Leute, die das Lachen unterdrücken, obgleich ihnen zum Lachen ist, insbesondere an der Fasnacht.

Alefänzig sind jene Einheimischen, die den echten Gefühlsausbruch einer Rheinländerin oder Hamburgerin nicht begreifen, die nicht verstehen wollen, dass jene plötzlich „Narri Narro“ schreit, wenn der Fasnachtsumzug kommt. Oh doch, es gibt Schwaben und Alemannen in Hülle und Fülle, die sich auf ihre bodenständige Reinrassigkeit nicht nur etwas, sondern eine ganze Stange einbilden. Die sagen denn, „wa hot etz die bled Kueh of omol, i glaub, die spinnt.“ Übersetzt heißt das, was hat jetzt die dumme Kuh auf einmal, ich glaube, die ist nicht ganz recht im Kopf. Übrigens auch so ein Fall, wenn der sogenannte „Preuß“, und beim Schwaben und beim Alemannen sind so ziemlich alle jene Preußen, die Schriftdeutsch sprechen, weil sie der Mundart nicht mächtig sind (im Gegensatz zu jenen gehobenen schwäbisch-alemannischen Ehepaaren, die ihren Kindern die Mundart verbieten!) urplötzlich an der Fasnacht zeigt, dass ihn die schiere  Lust am Mitmachen packt, wenn er gar auf der Straße anfangen will zu schunkeln, wenn die Musik spielt, dann wird der brauchtumsgeschwängerte Alemanne alefänzig. Natürlich meint er es nicht so bös. Vielleicht ist er im Unterbewusstsein sogar etwas neidisch, weil es ihn noch nicht, oder überhaupt nicht „juckt“. Wie aber kommt ein Reingeschmeckter, Zugereister oder Hergeloffener überhaupt dazu, es sich jucken zu lassen, plötzlich auch „hoorig“ oder narrisch oder närrisch zu sein? Wenn es jemand juckt, dann hat es den Einheimischen zu jucken, aber nicht den Preußen!

Ganz alefänzig wird der Einheimische, wenn er ein Preußenweib geheiratet hat, die von der Fasnacht plötzlich angesteckt ist, die das herrlich findet, weil es das daheim nicht gab, der schwäbisch-alemannische Gatte aber keine Lust zur Fasnacht verspürt. Dann kann es ihm passieren, dass die Frau Gemahlin alleine auf die Fasnacht geht, es sei denn, der Kerle, Karle, Fridolin, Gottlieb oder Sepp überwände seinen Alefanz und ginge am Ende doch noch mit, und wenn es auch nur aus Eifersucht wäre.  Wer jetzt noch nicht begreifen will, was alefänzig ist, oder wer alefänzig ist, der ist in Dreiteufelsnamen ein sturer Bock, der längst begriffen hat, aber nicht will –  der ist alefänzig.

 

Eine andere Alefanz-Beschreibung 

Von Dr. Franz Götz:

 

Ein Alefanz sich nicht geniert,
er irritiert und kollidiert,
er kritisiert und opponiert,
doch was ganz selten ihm passiert,
Dass er um Mäuler Honig schmiert!

Wer immer nur in Hintern schlupft
und and’re nicht auch manchmal stupft,
tut nichts zur menschlichen Erbauung,
erschwert vielmehr nur die Verdauung!

So fördert also, notabende,
der Alefanz die Hygiene,
gehört als wichtige Figur
zentral zur menschlichen Kultur
und zeigt vor allem jederzeit
eine besond’re Eigenheit!

Alefanzordensverleihung am Cumpaneyabend auf Schloss Langenstein
Alefanzordensverleihung am Cumpaneyabend auf Schloss Langenstein
Alefanzordensverleihung am Cumpaneyabend auf Schloss Langenstein
Alefanzordensverleihung am Cumpaneyabend auf Schloss Langenstein
Alefanzordensverleihung am Cumpaneyabend auf Schloss Langenstein

Träger des Alefanzordens der Langensteiner Cumpaney

Der Alefanz Orden wird bereits seit 1977 alljährlich an eine Persönlichkeit verliehen, die zuvor durch Individualismus, Eigensinn und „gegen den Strom schwimmen“ aufgefallen ist. Er gilt als eine der wichtigsten närrischen Auszeichnungen.

1977: Walter Fröhlich

Singen/Htwl.

1978: Hans Stather

Konstanz

1979: Dr. Werner Dierks

Konstanz

1980: Manfred Hepperle

Ravensburg

1981: Günter Luger & Hans Sauerbruch

Konstanz

1982: Viktor Mezger

Überlingen

1983: Sigrun Mattes

Singen-Beuren a.A.

1984: Lothar Rohrer

Radolfzell

1985: Eberhard Beck

Waldshut

1986: Hubert Kunicki

Stockach

1987: Helmut Graf

Singen/Htwl.

1988: Alex Brack

Konstanz

1989: Peter Schmid

Meersburg

1990: Dr. Anselm Dietrich

Singen/Htwl.

1991: Robert Seyfried

Singen-Bohlingen

1992: Monika Drossart-Girardelli

Konstanz

1993: Günter Neurohr

Radolfzell

1994: Roswitha Guhl-Paulus

Radolfzell

1995: Franz Ziwey

Stockach

1996: Charly Sauter

Meßkirch

1997: Alfred Heitzmann

Insel Reichenau

1998: Bruno Epple

Wangen (Höri)

1999: Rolf Stehlin

Rheinmünster

2000: Karl Amann

Horn (Höri)

2001: Dr. Tobias Engelsing

Konstanz

2002: Leo Schreiber

Gailingen

2003: Ernst Mühlemann

Ermatingen/Schweiz

2004: Dr. Karl Glunk

Singen/Htwl

2005: Klaus Sauter

Gottmadingen

2006: Dr. Robert Maus

Gottmadingen

2007: Norbert Heizmann

Konstanz

2008: Andreas Renner

Singen/Htwl.

2009: Wolfgang Reuther

Stockach

2010: Horst Frank

Konstanz

2011: Gero Hellmuth

Singen/Htwl.

2012: Birgit Homburger

Hilzingen

2013: Hans Jürgen Schuwerk

Gottmadingen

2014: Gaby Hauptmann

Allensbach

2015: Wolfgang Mettler

Konstanz

2016: Werner Endres

Meersburg/Haltnau

2017: Hans-Peter Jehle

Singen

2018: Ludwig Egenhofer

Allensbach

2019: Alfred Mutter

Volkertshausen

2020: Günther Oettinger

Ditzingen

2021: Ausgefallen

wegen Pandemie

2022: Ausgefallen

wegen Pandemie

2023: Dekan Stefan Schmid

Meßkirch

2024: Marcus Nabholz

Konstanz

2025: Björn Graf Bernadotte

Insel Mainau

2026?